Selbstliebe

Als ich begann mich selbst zu lieben, befreite ich mich von allem, was nicht gut für meine Gesundheit ist, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich hinunter zog und weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung gesunden Egoismus. Heute weiß ich, es ist Selbstliebe. – Charlie Chaplin 

Meinem ersten Blog widme ich einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt: der „Selbstliebe“. Sich selbst zu akzeptieren und anzunehmen ist für mich die entscheidende Voraussetzung für ein erfülltes (Familien)Leben und gleichzeitig ein Wert, den wir unseren Kindern von Beginn an vermitteln können und sollten. 

Was steckt hinter dem Konzept der Selbstliebe? Ist es möglich, erst mich zu lieben und dann meinen Partner bzw. meine Kinder ? Wie komme ich dahin? Und wo liegen die Wurzeln der Selbstliebe? Im Lauf der vergangenen Jahre habe ich mich mit diesen und ähnlichen Fragen intensiv auseinandergesetzt und bin zu einigen zentralen Schlussfolgerungen gekommen, die ich in den nächsten Abschnitten mit euch teilen möchte. 

Die Wurzeln der Selbstliebe liegen in der Kindheit 

Selbstliebe ist für viele Menschen nicht einfach. Auch ich war jahrelang weit davon entfernt, mich vollends zu akzeptieren. Mein Weg zur Selbstliebe war von vielen inneren Kämpfen begleitet und beinhaltete auch so manchen Irrweg. Ein entscheidender Fehler, der mich immer wieder eingeholt hat, ist vielleicht auch dir bekannt: Ich habe Selbstliebe mit Egoismus oder Narzissmus verwechselt und mich schlecht gefühlt, weil ich mich selbst scheinbar zu sehr in den Mittelpunkt gerückt habe. 

Wie kann es zu diesen Problemen kommen und was macht es für uns so schwer, an uns selbst zu glauben? 

Einen wichtigen Auslöser sehe ich in unserer Kindheit. Viele Kinder nehmen ihre eigenen Eltern als unglücklich und unzufrieden wahr. Hier geht es mir nicht darum, unsere Eltern zu verurteilen. Ihnen gehört unsere größte Wertschätzung und unser aufrichtiger Dank. Sie wussten es nicht besser und haben nur das gespiegelt, was sie bei ihren eigenen Eltern erlebt haben. Und deren Menschenbild ist seit Jahrhunderten verbreitet: Mütter müssen sich für ihre Kinder aufopfern. 

In der heutigen Zeit stoßen wir mit diesem Modell jedoch schnell an unsere Grenzen. Job, Haushalt, Partner und Kinder lassen sich kaum mehr zufriedenstellend in Einklang bringen. Die Folge sind Frustrationen und Enttäuschungen unserer Eltern. 

Wie können wir von unseren Eltern Selbstliebe erwarten, wenn sie ihnen selber nie begegnet ist? 

Doch auch wenn wir als Kinder nicht so werden wollen wie unsere Eltern, so bleibt es nicht aus, dass wir das Leben unserer Eltern nachahmen. Sie waren schließlich unsere tagtäglichen Vorbilder und prägen uns von den ersten Lebenstagen an. 

Wie groß ihr Einfluss ist, kannst du leicht erkennen, wenn du dir die Beziehung zwischen Eltern und (Klein)kind vor Augen führst: 

Die Liebe, Anerkennung und Zuneigung anderer zu gewinnen ist für ein Baby das Allerwichtigste. Denn schließlich sind wir auf unserer Eltern angewiesen. So lernen wir schnell, mit welchem Verhalten wir das bekommen, was wir brauchen und wollen. Dazu gehört an erster Stelle Liebe und Zuneigung. Allzu oft ist eben diese Zuneigung unserer Eltern jedoch an Bedingungen geknüpft. Wir haben gelernt, brav, gehorsam, lieb etc. zu sein. Wir wollten es unseren Eltern recht machen, weil wir abhängig von ihnen waren. 

Und das wirkt meiner Meinung nach bis heute nach! Genau die Komponenten Liebe, Anerkennung und Wertschätzung, die wir als Kinder von unseren Eltern brauchten, suchen wir heute als Erwachsene in unserem Partner oder Kind. Wir definieren uns über sie. Wir tun alles, um geliebt zu werden und suchen die Bestätigung in Menschen und materiellen Dingen. Genau damit machen wir uns weiterhin abhängig von den Bedingungen, die andere an uns stellen. Wir versuchen den vielfältigen Anforderungen unseres Umfelds gerecht zu werden und sind enttäuscht, wenn es uns nicht gelingt. 

Wie können wir diesen Kreis durchbrechen und uns selbst lieben lernen? 

Warum und wie uns unsere Erfahrungen bis heute prägen 

All die Erfahrungen, die wir als Kinder gemacht haben, sind tief in uns gespeichert und mit uns „gewachsen“. Mit diesen Gefühlen haben wir uns weder genau befasst, noch haben wir sie verarbeitet. Insbesondere negative Gefühle und Urteile über uns selbst wie „Ich bin nicht gut genug“ können uns unser ganzes Leben lang beeinflussen. 

Wahrscheinlich kennst du Momente, in denen dein Kind oder Partner deine emotionale Vergangenheit und die damit verbundenen Gefühle wieder zum Leben erwecken. Sie tauchen in deiner Interaktion automatisch auf und rufen die gleichen negativen Reaktionen hervor, die du schon in der Vergangenheit erlebt hast. 

Genau an diesem Punkt liegt für mich der Schlüssel, aus der Negativspirale auszubrechen und stattdessen Selbstliebe zu lernen und zu leben. 

Meiner Meinung nach ist es essenziell wichtig, dass wir uns mit unserer Kindheit rückblickend auseinandersetzen und unsere Erfahrungen bewusst aufarbeiten. Wenn wir uns von dem Verhalten und den Mustern, die unsere Kindheit geprägt haben, befreien, können wir Stück für Stück zu uns selbst finden. Dieser Prozess ist ist nicht nur heilsam, sondern gleichzeitig auch die Voraussetzung und der Beginn von Selbstliebe. 

Meine Rolle als Mutter oder Vater auf Grundlage von Selbstliebe 

Als Vater und Mutter haben wir nicht nur die Verantwortung für uns selbst, sondern auch für unsere Kinder. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen uns, wie entscheidend unser Verhalten für das Leben unserer Kinder ist. Erleben sie uns als zufrieden und im Einklang mit uns selbst, schafft das beste Voraussetzungen für ihr eigenes Lebensglück. 

Auch oder gerade dieser Zusammenhang sollte uns den Anstoß geben, den Weg der Selbstliebe anzugehen. Sich selbst zu lieben führt uns in eine harmonische Beziehung mit uns selbst – und diese ist wiederum die Grundvoraussetzung für jede andere erfüllende Beziehung. Wie sollen unsere Kinder lernen sich selbst zu lieben, wenn wir uns selbst nicht lieben? 

Wie komme ich zur Selbstliebe? 

Das klingt ja alles überzeugend, denkst du jetzt vielleicht. Aber wie lerne ich nun, mich selbst zu lieben? Vorneweg: Einfach ist es nicht. Der Weg der Selbstliebe ist ein lebenslanger Prozess, der sehr viele Fragen aufwirft. 

Doch ich bin fest überzeugt, dass jeder sich selbst lieben lernen kann. Die folgenden Anstöße können dich auf deinem Weg unterstützen: 

Du musst nicht ständig glücklich und perfekt sein 

Besonders wichtig ist mir zunächst, mit einem verbreiteten Denkfehler aufzuräumen: Es geht nicht darum, ständig glücklich und als Eltern perfekt zu sein. Stattdessen sollten Eltern lernen, sich selbst wertzuschätzen, ihre eigene Grenzen zu kennen und zu respektieren und offen mit ihren authentischen Gefühlen umzugehen. Auch negative Emotionen und Überforderungen, die wir tagtäglich empfinden, gehören zu uns und dürfen angenommen und akzeptiert werden. 

Der 1. Schritt in Richtung Selbstliebe 

Der erste Schritt auf dem Weg zur Selbstliebe besteht daher für mich darin, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Denk darüber nach, was du für dich selbst empfindest, was dich wirklich glücklich macht und wo du persönlich auf dem Weg der Selbstliebe stehst. 

Folgende Fragen können dir dabei helfen, dich selbst besser kennenzulernen und damit den Startpunkt für mehr Selbstliebe zu setzen: 

Meine Beziehung zu mir selbst: 

• Was sind meine Bedürfnisse? Was ist mir wichtig? 

• Führe ich das Leben eines Menschen, der sich selbst liebt? 

• Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich mich selbst von außen betrachte? 

• Erlaube ich mir zu fühlen? Stehe ich zur ganzen Palette an Gefühlen, die mich bewegen? 

• Fühlt es sich für mich stimmig an, was ich Tag für Tag tue? 

• Empfinde ich Freude dabei? 

• Wie oft kritisiere ich mich? 

• Kann ich freundlich mit mir umgehen – auch oder gerade wenn ich Fehler mache? 

• Kann ich mich abgrenzen und Nein sagen? 

• Nehme ich mir Zeit für mich selbst? Verbringe ich Zeit mit mir alleine? Tue ich mir regelmäßig etwas Gutes? 

• Gehe ich einem Job nach, der mir Freude bereitet und in dem ich aufgehe? 

• Höre ich auf mein Herz? Gehe ich den Weg meines Herzens? 

• Gibt es in meiner Vergangenheit etwas, was ich noch nicht angenommen und akzeptiert habe? 

Meine Beziehungen zu anderen: 

• Tut mir der Kontakt mit den Personen in meinem Umfeld wirklich gut? Oder bin ich nur aus Gewohnheit mit ihnen zusammen? 

• Sind mir die Meinungen anderer wichtiger als meine eigenen? 

• Suche ich im Außen nach Bestätigung – durch meinen Partner, andere Menschen, im Job? 

• Fühle ich mich in meiner Beziehung gesehen und wertgeschätzt? 

Beantwortest du diese Fragen ehrlich und in Ruhe, erkennst du, wo du ansetzen darfst – und bist bereit für die nächsten Schritte in Sachen Selbstliebe.

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