„Kinder im Jetzt“

Mein bevorstehendes Meditations-Retreat hat mich zu diesem neuen Post inspiriert. Diesmal setze ich mich mit dem Thema „Meditation und Achtsamkeit mit Kindern“ auseinander.

Ob zu Hause, im Kindergarten oder in Schule, überall wird von jungen Menschen erwartet, sich selbst regulieren zu können und die eigenen Emotionen (wenn überhaupt) in gesellschaftskonformer Art und Weise zum Ausdruck zu bringen. „Sei still!“ „Hör zu! „Konzentriere dich endlich!“ – immer wieder bekommen unsere Kinder das Gleiche zu hören. Das Tragische daran: Oftmals verpuffen diese Befehle wirkungslos. Und das ganz unabhängig davon, ob die Kinder sich ernsthaft bemühen oder die Ohren auf Durchzug schalten. Vielen ist es tatsächlich einfach nicht möglich, längere Zeit bei einer Sache zu bleiben oder ihren Frust nicht umgehend lautstark zum Ausdruck zu bringen.

Woher kommen diese Schwierigkeiten?

In der heutigen schnelllebigen Welt stürmen auf unsere Kinder nicht nur täglich eine Vielzahl von spannenden neuen Eindrücken ein, sondern sie sind auch mit Stress, Hektik und Sorgen konfrontiert. Viele Kinder werden bereits ab dem Kindergartenalter von einem Kurs zum nächsten gefahren und erleben fast ihre gesamte Freizeit als fest verplant. Kommen wenig später dann auch noch die Ganztagsschule und die damit verbunden Schulanforderungen hinzu, ist die ständige Anspannung und in der Folge zunehmendes Stressempfinden fast vorprogrammiert. Nicht zuletzt unterstützen schließlich auch wir als Eltern oftmals unbewusst die negative Entwicklung unserer Kinder. Sie nehmen uns als ständig gestresst wahr und betrachten dies bald als völlig normal und scheinbar unausweichlich.

Mit der Zeit verändern diese Erfahrungen unserer Kinder und ihre Wahrnehmung von sich selbst und von der Welt. Die Konsequenzen erleben wir im alltäglichen Verhalten unserer Liebsten: Sie sind oft abgelenkt und lassen sich von allem Möglichen beeinflussen – in ihrer Meinung, ihrer Weltsicht und ihrem Gefühlsleben.

Wie können wir effektiv gegensteuern?

Meiner Meinung nach braucht unsere Gesellschaft ein verändertes Bewusstsein für die Anforderungen, Aufgaben und Veränderungen unserer Zeit. Der Schlüssel zu einer neuen Kultur der Wertschätzung und der Zufriedenheit ist für mich Achtsamkeit.

Achtsamkeit für sich selbst und davon ausgehend auch für unsere Mitmenschen – auf dieser Basis können wir ein Fundament schaffen, in dem jeder und jede ihre persönliche Erfüllung finden kann.

Doch wo und wie kann Achtsamkeit beginnen?

An genau diesem Punkt kommen unsere Kinder ins Spiel. Sie werden diejenigen sein, die eine hoffentlich friedlichere Welt schaffen, sie werden mit den Herausforderungen einer zunehmend technisierten Welt leben, sie werden die Zukunft gestalten – und wir können ihnen mit dem Konzept der Achtsamkeit das nötige Rüstzeug dafür mit auf den Weg geben.

Ganz praktisch betrachtet gehören Achtsamkeit und Meditation daher für mich als Lerninhalt und Kulturtechnik in Kindergärten und Schulen.

Im Kern bezeichnet Achtsamkeit die Fähigkeit, den gegenwärtigen Moment aufmerksam wahrzunehmen und zu gestalten. Wenn Kindergärten und Schulen ein Ort ganzheitlicher Bildung sein wollen, an dem Kinder lernen, mit sich selbst und anderen im Kontakt zu sein, müssen sie genau diese Fähigkeit als Grundlage für alles andere vermitteln. Aufbauend auf die Achtsamkeit für sich und andere entstehen dann ganz von selbst Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein – genau die Kompetenzen, die junge Menschen zur nachhaltigen Veränderung unserer Gesellschaft brauchen.

Was Achtsamkeitstrainings für Kinder bewirken können

Zahlreiche Studien belegen, dass Achtsamkeitsübungen und Meditation die eigene Gesundheit und Zufriedenheit entscheidend positiv beeinflussen können.

Die Erfahrungen von Schulen, an denen mit Achtsamkeitsübungen und Meditationseinheiten gearbeitet wird, sprechen in dieser Hinsicht für sich. Die Kinder können besser mit Stress sowie starken Gefühlen umgehen, empfinden weniger Angst und konzentrieren sich stärker auf den Schulstoff. Insbesondere die Meditation wirkt stressreduzierend, verhilft zu mehr Entspannung, verbessert die Konzentrationsfähigkeit, erhöht die Empathie für andere und macht die Kinder insgesamt glücklicher.

Wie gelingen Achtsamkeitsübungen und das Meditieren mit Kindern?

Achtsamkeit beginnt für mich mit den kleinen Dingen.

In unterschiedlichen Phasen kann es für Kinder beispielsweise hilfreich sein, wenn sie einen sicheren Ort in sich kennen, an dem sie vollkommen okay sind, an dem sie unverletzlich und gut sind, egal, was die anderen sagen.

Ebenso entlastend ist es für viele Kinder, wenn sie um die wohltuende Wirkung einer bewussten kurzen Auszeit wissen. Bei starken Emotionen einfach für einen Moment die Augen zu schließen, tief zu atmen und die eigenen Gefühle anzuerkennen anstatt sie zu verdrängen, kann belastenden Situationen in kürzester Zeit ihre Schärfe nehmen.

Für ein Kind ist es sehr wertvoll, die innere Stille und die wache Präsenz zu kennen und abrufen zu können, wenn es für sie unterstützend ist.

Auf dem Weg zum Meditieren benötigen Kinder gezielte Anleitung und den passenden zeitlichen Rahmen, um sich auf den Weg zu sich selbst einzulassen. Grundsätzlich eignen sich alle Meditationsarten, mit denen Erwachsene meditieren, auch für Kinder und Jugendliche. Für den Einstieg sind dabei kleinere Einheiten von 2-12 Minuten (je nach Alter) völlig ausreichend und verhindern eine Überforderung der Kinder. Mit zunehmender Erfahrung können diese Zeiten schrittweise erweitert werden.

Meiner Erfahrung nach bewährt es sich, die Meditation in einen besonderen Rahmen einzubauen und als ein Familienritual mit den Kindern zu gestalten.

Warum also Meditation und Achtsamkeitsübungen für Kinder?

Die Antwort ist im Grunde einfach: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um die Grundlagen für ein achtsames und zufriedenes Leben zu schaffen – JETZT.

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