Eine Reise zu unserem Ego

Inspiriert von einem Vortragsabend von Eckhart Tolle schreibe ich heute über ein Thema, mit dem wir uns als Eltern in der Regel nicht gerne beschäftigen: der Frage nach unserem Ego in Bezug auf die Elternschaft.

Vorab möchte ich klarstellen, dass dieser Beitrag dich keineswegs belehren soll. Stattdessen möchte ich zum Nachdenken anregen und neue Wege eröffnen, wie wir unsere Elternrolle auch in diesem Punkt mit uns selbst im Reinen füllen können. Heute bin ich unheimlich dankbar, dass ich meine Kinder auf Augenhöhe begegnen kann und sich unsere Beziehung auf unterschiedliche Art transformiert hat. Genau dazu möchte ich dir Impulse geben.

Warum sind wir eigentlich Eltern geworden?

Hast du dich schon mal gefragt, warum ihr Kinder habt? Was war der wichtigste Grund für diese weitreichende Entscheidung? Die (ehrlichen) Antworten auf diese Fragen können denkbar vielfältig sein:

  • Geht es darum, eigene Bedürfnisse zu befriedigen?
  • Möchtest du es besser als deine eigenen Eltern machen?
  • Sollen Probleme in der Partnerschaft durch die Kinder gelöst bzw. überspielt werden?
  • Suchst du nach dem Gefühl, vorbehaltlos geliebt zu werden?
  • Lasten die Erwartungen von Familien und Freunden auf dir?
  • Spürst du gesellschaftlichen Druck, weil man als moderne Frau Kind und Job vereinen sollte?
  • ….

Der Wunsch, Eltern zu werden, entsteht meiner Erfahrung nach häufig aus einem dieser im Grunde egoistischen Gefühle heraus. Auch bei mir war das so.

Die Konsequenzen unserer egoistischen Entscheidung …

Die Folgen einer rein oder vorwiegend auf egoistischen Gefühlen basierenden Elternschaft können allerdings gravierend sein. Letztendlich benutzen wir unsere Kinder, um unsere persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen, unser gebrochenes Selbst zu heilen, uns selbst wertvoll und kompetent zu fühlen oder fremden Erwartungen gerecht zu werden – und das spiegelt sich in unserem Verhalten gegenüber den Kindern.

Wir …

  • … drängen sie in Rollen, die nicht die ihren sind und zwingen sie, sich zu verstellen.
  • … verlangen von ihnen, in unsere Welt einzutreten und versperren ihnen die Möglichkeit, ihre eigene Welt zu erobern.
  • … dominieren sie und vermitteln, dass wir sowieso alles besser wissen.
  • … bestimmen über wesentliche Entscheidungen, die unsere Kinder selbst treffen können und sollen – angefangen bei den Hobbys bis hin zum späteren Beruf. Welche Kompetenzen unsere Kinder wirklich mitbringen und welche Wünsche sie hegen, gerät dabei allzu schnell in Vergessenheit.
  • … versuchen, unsere Vorstellungen von Erfolg und Erfüllung auf unsere Kinder zu übertragen. Ob sie diese teilen, wird oft nicht berücksichtigt.

Aus genau diesem Verhalten ergibt sich einerseits für uns und andererseits für unsere Kinder ein Teufelskreis, in dem alle nur verlieren können.

Für uns entsteht zunächst einmal der tägliche Kampf, unsere Kinder – wenn nötig auch gegen deren offenen oder versteckten Widerstand – auf dem von uns vorgesehenen Weg zu halten. Gelingt uns dies nicht, fühlen wir uns als Versager und suchen unter Umständen (mehr oder weniger bewusst) verzweifelt nach Möglichkeiten, den Willen unserer Kinder doch noch zu brechen.

mit schwerwiegenden Folgen für das ganze Leben

Unsere Kinder haben dementsprechend zwei Möglichkeiten, zu reagieren:

Entweder sie unterwerfen sich unseren Vorstellungen und verleugnen damit einen Teil ihrer Persönlichkeit. Unsere Kinder entwickeln sich so zu Menschen, die wir in ihnen sehen wollen und nicht zu den Personen, die sie wirklich sind. Die Folge sind oftmals lebenslange Unzufriedenheit und innere Unruhe.

Oder sie widersetzen sich unseren Vorgaben und werden in der Folge Tag für Tag mit unserer mehr oder weniger deutlichen Ablehnung konfrontiert. Diese Ablehnung signalisiert unseren Kindern wiederum, dass sie, so wie sie sind, nicht in Ordnung sind, den Erwartungen nicht genügen und unsere Ansprüche nicht erfüllen (können). Diese Gefühle können das Selbstvertrauen massiv schädigen…

Vom Ego zur ehrlichen Selbsterkenntnis

„Halt, Stopp!“, wirst du jetzt vielleicht sagen. Ich bin Mutter/Vater aus Leidenschaft, ich liebe mein Kind und ich tue alles, damit es glücklich ist. Wo ist da Platz für mein Ego?

Denkt man länger darüber nach, erscheint die Sache allerdings nicht mehr so einfach. Ist die Liebe zu deinen Kindern wirklich bedingungslos, kontroll- und angstfrei?

Meiner Ansicht nach ist Elternschaft grundsätzlich „verzwickt – tricky“. Einerseits lieben, beschützen und dienen wir unseren Kindern. Andererseits haben wir alle Pläne und Ideen im Kopf, wie sie sich entwickeln sollen und was wir uns für sie wünschen.

Genau in diesem Zwiespalt steckt die Gefahr, die uns Tag für Tag in der Erziehung begleitet.

Wer hat seinen Kindern nicht schon einmal etwas übergestülpt, dass nicht wirklich von Ihnen kam? Wer kontrolliert nicht, ob das Verhalten seiner Kinder den persönlichen Anforderungen genügt?

Hinzu kommen nicht zuletzt die Erfahrungen aus unserer eigenen Kindheit. Wurden wir selbst nicht genauso erzogen? Haben wir uns selbst nicht auch zeitweise schwach und ohnmächtig gegenüber unseren Eltern gefühlt? Haben wir den Kontakt zu unserem wahren Selbst womöglich auch verloren? Wir definieren unsere Identität über unsere Beziehungen, unseren Job, unsere Besitztümer und unser Geld… Haben wir unseren Job vielleicht deshalb gewählt, weil unsere Eltern uns mehr oder weniger offen dazu gedrängt haben – und dabei unsere Kindheitsträume außer Acht gelassen?

Die Elternschaft als Chance zur Befreiung

Mit unserer Elternschaft haben wir die einmalige Gelegenheit, all diese Einschränkungen und scheinbaren Selbstverständlichkeiten unseres Lebens hinter uns zu lassen. Auf der gemeinsamen Reise mit unseren Kindern können wir weg vom ewigen Kampf hin zum zufriedenen „Fließen“ gelangen und uns von unserem Ego befreien. Lässt du dich einmal auf dieses Abenteuer ein, ist es im Grunde nicht schwer:

  • Akzeptiere deine Kinder, so wie sie sind.
  • Sehe, höre und verstehe, was sie wirklich wollen und brauchen.
  • Respektiere die Bedürfnisse, Ängste und die gesamten Persönlichkeiten deiner Kinder auf Augenhöhe.
  • Mache ihnen immer wieder deutlich, dass sie gut sind, so wie sie sind.

Für unsere Kinder und für uns

Können diese Veränderungen im Verhalten und unseren Einstellungen gegenüber unseren Kindern nicht auch für uns der Schlüssel sein, uns selbst endlich anzunehmen?

Kinder sind noch mit sich im Reinen – frei vom Ego, frei von gesellschaftlichen Etiketten und frei von der Bewertung Außenstehender. Genau auf diesem Weg können wir sie bestärken und begleiten, damit sie nicht – wie wir – viele Jahre auf der Suche nach sich selbst verbringen müssen. Was unsere Eltern wahrscheinlich nicht wussten und wofür sie dementsprechend auch keine Schuld tragen, können wir besser machen.

Was wird passieren, wenn wir uns von unserem Ego frei machen und sie zu den Erwachsenen hinbegleiten, die sie wirklich sind? Finden wir es heraus!

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