#STAY#HOME# – Wie gestalte ich den Alltag mit meinem Kind (2 -10 Jahre) in Zeiten von Corona

Spätestens seit in Deutschland die Kinderbetreuungsstätten schließen mussten, ist die Ernsthaftigkeit der Corona Krise vollständig in unserem Alltag und in unserem Bewusstsein angekommen.

Nie erlebte Szenarien von Krankheit und Tod durch ein unsichtbares Virus belasten uns. Anders als bei anderen Krisen können wir dabei kaum auf das Erfahrungswissen der älteren Generationen zurückgreifen. Unser Gesundheitswesen, Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt wir mit der Betreuung unserer Kinder stehen vor vollkommen neuen Herausforderungen.

Wie lässt sich mit all den einschneidenden Veränderungen umgehen? Wie finden wir gestärkt aus der Krise?

Was jetzt gefragt ist, sind vor allem Kraft, Mut, Solidarität und die Aufrechterhaltung von Werten und Normen. Darüber hinaus sollte sich jeder ganz klar zu positionieren, um den Alltag mit seiner Familie nicht in eine Abwärtsspirale abgleiten zu lassen. In dieser schweren Zeit, die geprägt ist von Existenz-Verlustängsten sowie der Sorge um die Gesundheit von Familie und Freunden, dürfen Sorgen keine überdimensionale Ausmaße annehmen und das eigene Handeln lähmen. Tage, die von Antriebslosigkeit und einem „sich Ergeben“ geprägt sind, helfen niemandem weiter – am wenigsten uns selbst.

Doch wie gelingt das? Das Zauberwort der Stunde nennt sich Resilienz, das auch als das „Immunsystem der Psyche“ zu übersetzen ist. Menschen mit einer gut ausgeprägten Resilienz besitzen die Gabe, sich schnell in schwierigen Situationen zurechtzufinden. Sie sind bereit, ihr Leben aktiv selbst zu gestalten und sich nicht ihrem Schicksal zu ergeben. Sie nehmen Herausforderungen als Chance an, weil sie zum Leben und Sein dazugehören und weil sie erkennen, dass Krisen auch die Möglichkeit bieten, an ihnen zu wachsen.

In diesem Sinn geht es in diesem Blog um die produktive, aktive Gestaltung des Alltags mit Kindern in der Zeit von Ausgangsbeschränkungen und anderen Maßnahmen, die unser Leben maßgeblich beeinflussen.

1. Das Wichtigste zuerst: Klären Sie Ihre Kinder über das momentane Geschehen und sämtliche Verhaltensregeln, die während der Corona Krise zu beachten sind, altersentsprechend auf. Kinder dürfen nicht im Ungewissen bleiben, denn dies schürt falsche Vorstellungen und diffuse Ängste. Nur wenn Ihre Kinder wissen, was sie tatsächlich erwartet, haben sie die Möglichkeit, die neue Situation zu verstehen und anzunehmen. Auf diese Weise gewinnen sie die dringend benötigte Sicherheit.

2. Tauschen Sie sich nicht mit anderen Personen über Neuigkeiten betreffend Corona aus, wenn Ihre Kinder in der Nähe sind. Sämtliche Gespräche hierüber sind nicht für Kinderohren bis zu einem Alter von mindestens acht Jahren bestimmt.

3. Wie schaffen Erzieherinnen und Erzieher es nur, einen ganzen Tag mit bis zu 25 Kindern zu meistern? Diese Frage stellen sich derzeit wohl viele Eltern. Die Antwort darauf ist wiederum der Schlüssel zu einem harmonischen Familienalltag auch in der Krisenzeit: Organisieren Sie den Tag mit einem klar strukturierten Ablauf mit festen Regeln und regelmäßig wiederkehrenden Ritualen. Experten sind sich einig, dass für Kinder ein altersentsprechendes Gerüst aus sinnvollen Vorgaben die notwendige Sicherheit, das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit vermittelt.

4. Innerhalb dieses festen Rahmens benötigen Kinder wiederum Freiräume zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Aus Langeweile, die heute die meisten Kinder gar nicht mehr erleben dürfen, können die kreativsten Ideen entstehen!

5. Planen Sie Ihren individuellen, auf die Bedürfnisse aller Familienmitglieder abgestimmten Tagesplan jeden Morgen gemeinsam. Der Einbezug aller sorgt für die größtmögliche Akzeptanz bei der Umsetzung von getroffenen Absprachen.

6. Basteln Sie sich mit Ihren Kinder einzelne Bilder-Modulkarten, mit denen Sie den Tagesablauf im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar machen können. Mögliche Themenbereiche können sein:

HOMEOFFICE

FRÜHSTÜCK / MITTAGESSEN / ABENDESSEN

FREISPIEL

GEMEINSAME HAUSARBEIT

MEDIENZEIT

VORLESEZEIT

RUHEZEIT

BONUSKARTE KIND (Platz für einen spontanen Wünsch: z.B. Knuddelzeit)

BONUSKARTE ELTERN

BEWEGUNG

AUFENTHALT IN DER NATUR

GEMEINSAME SPIELZEIT

DUSCHEN

GUTE NACHT

Die einzelnen Modulkarten sollten Sie gemeinsam mit Ihren Kindern gestalten (malen, bekleben, ausschneiden) und anschließend auf Pappe kleben oder, noch besser, laminieren. Wichtig ist dabei, dass Ihre Kinder die Motive zuordnen können und wissen, was die jeweilige Karte bedeutet.

Fertigen sie zusätzlich Kärtchen mit Uhrzeiten an, sodass die einzelnen Modulkarten für einen verbindlichen Tagesplan auf die jeweilig verfügbaren Uhrzeiten gelegt werden können.

7. Achten sie bei der konkreten Planung darauf, dass bestimmte Modulkarten immer wieder zur gleichen Uhrzeit platziert werden z.B.: 19:00 Uhr – Vorlesezeit. Auf diese Weise schaffen Sie Rituale.

8. Sinn und Zweck dieser Modulkarten ist ihre Einhaltung. Lassen Sie sich im Laufe des Tages daher nicht mehr auf Diskussionen ein. Anfängliche Probleme sind völlig normal und erübrigen sich bei einer konsequenten Umsetzung mit der Zeit von selbst. Mithilfe des Plans schaffen Sie sich auf diese Weise dringend notwendige Freiräume.

9. Nutzen Sie die gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind, um es in seiner Selbstständigkeit zu fördern. Gerade jüngere Kinder sind sehr stolz darauf, Dinge allein bewältigen zu können. Beziehen Sie z.B. Ihr Kind in die Hausarbeit mit ein oder bringen Sie gemeinsam die Fahrräder in Schuss. Was Sie auch immer vorhaben, orientieren Sie sich dabei am Entwicklungsstand Ihres Kindes. Sie werden ein Kind erleben, das an seinen Aufgaben wächst und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt.

10. Achten Sie immer auf Ihre Vorbildfunktion. Eine unordentliche Umgebung, Nachlässigkeiten bei der Körperhygiene und bei der Auswahl ihrer Kleidung, ein scharfer Ton, Schimpfereien und Unzufriedenheit übertragen sich postwendend auf ihr Kind. Ihr Kind spiegelt Ihre Stärken und Schwächen!

11. Zum Schluss noch ein wichtige Bitte: Beziehen Sie bewusst gerade die Generation von Menschen ein, die es in Corona-Zeiten besonders zu schützen gilt. Opas & Omas freuen sich jetzt besonders darüber, mit ihren Enkeln in Kontakt zu treten. Ob über Skype, WhatsApp mit Videoanruf oder durch das Verschicken eines gemalten Bildes – nutzen Sie die modernen technischen Möglichkeiten! Vielleicht haben Oma und Opa auch Lust, eine Geschichte am Telefon vorzulesen?

Ich wünsche ihnen viel Spaß bei der Umsetzung & eine gesunde und harmonische Familienzeit!

Jessica Hobler, B.A. Frühpädagogik Leitung und Management

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