Resilienz – wie wir unsere Kinder stärken können

„Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles gelingen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.“ – Antoine des Saint-Exupéry

Resilienz meint die Fähigkeit, Herausforderungen als solche anzuerkennen, gezielt Lösungen zu finden und später gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

  • Stress, Zeit- und Leistungsdruck sowie viele andere Herausforderungen, die mit Gefühlen wie Traurigkeit, Angst und Wut einhergehen, gehören heute zum Alltag unserer Kinder.
  • Bereits in der Grundschule wird ein hohes Maß an Selbständigkeit, Struktur und Wissen verlangt.
  • Der Terminplan unserer Kinder ist vielfach bereits im Kindergarten prall gefüllt und lässt kaum Zeit, um sich zu „langweilen“.
  • Ein ungesunder Perfektionismus, der in unserer Gesellschaft zunehmend Verbreitung findet, setzt Jung und Alt unter Stress.
  • Gesellschaftliche Veränderungsprozesse beschleunigen sich immer mehr und der Druck, den ständig steigenden Anforderungen gewachsen zu sein, wächst stetig.
  • Immer häufiger finden wir uns in einer Art Spagat zwischen den wachsenden äußeren Anforderungen und unseren inneren Bedürfnissen wieder.

All diese Schlaglichter auf unser Leben und das Leben unserer Kinder haben eines gemeinsam: Sie können Menschen jeden Alters aus der eigenen Balance bringen. Die Folgen sind gravierend: Eine dauerhafte Schieflage kann uns krank machen und unser zufriedenes Leben erheblich gefährden.

Möchten wir dieser Gefahr entgehen und trotz zahlreicher Herausforderungen im Einklang mit uns selbst leben, dürfen wir Dysbalancen nicht nur bewusst wahrnehmen, sondern sie auch gezielt angehen und immer wieder zurück zu unserem persönlichen Gleichgewicht finden.

Resilienz – der moderne Begriff für unsere innere Widerstandskraft

Was hilft uns dabei? Und warum gelingt es einigen Menschen scheinbar problemlos, mit Misserfolgen umzugehen, während andere lange Zeit mit ihrem Schicksal hadern? Eine wesentliche Antwort finden wir in unserer eigenen Widerstandskraft, die in der modernen Forschung unter dem Stichwort „Resilienz“ untersucht wird.

Die Widerstandsfähigkeit der Seele ist ein relativ neues Forschungsgebiet. Begonnen hat die Resilienzforschung auf der hawaiianischen Insel Kauai. Die amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner und ihre Kollegin Ruth Smith wollten untersuchen, wie sich schwierige Startbedingungen in der Kindheit auf das spätere Leben auswirken. Dabei zeigte sich, dass ein Drittel der Kinder trotz erschwerter Bedingungen zu lebenstüchtigen Erwachsenen heranwuchs, während die anderen Kinder zeitlebens Probleme hatten. Aus diesen Ergebnissen schlossen die Wissenschaftler, dass es bestimmte seelische Schutzfaktoren, die uns bei der Bewältigung von belastbaren Situationen helfen, geben muss.

Nach der Auswertung zahlreicher weiterer Studien zum Thema ist die Forschung mittlerweile zu zentralen Erkenntnissen über das Phänomen der Resilienz, also der seelischen Widerstandsfähigkeit, gelangt.

Resilienz ist demnach nicht angeboren, sondern wird im Laufe des Lebens erlernt. Abhängig von der Zeit, den gegebenen Lebensumständen und der Persönlichkeit des Einzelnen kann sie sich unterschiedlich stark entwickeln. Je nach aktueller Situation ist dabei kein Mensch immer gleich widerstandsfähig.

Auf dem Weg zu einer starken Persönlichkeit – So können wir Resilienz fördern

Was heißt das nun für uns Eltern und wie können wir unseren Kindern helfen, eine starke Resilienz zu entwickeln?

In der Resilienzforschung wurden einige Faktoren bestimmt, die besonders zu einem gesunden Leben und zu einer starken Widerstandskraft beitragen. Die Studie zeigt auf, was resiliente Kinder auszeichnet:

  • Fehler dürfen sein, gehören zu ihrem Lernprozess und bringen sie letztlich voran.
  • Sie holen und finden Hilfe und Unterstützung bei ihren Eltern, bei Erziehern, Lehrern, Freunden etc.
  • Sie warten nicht ab, sondern übernehmen selbst Verantwortung für ihr Handeln.
  • Sie nehmen Herausforderungen an und setzen sich aktiv mit Schwierigkeiten auseinander.
  • Dabei sind sie optimistisch, dass sie Probleme meistern können und schwierige Situationen vorbei gehen.
  • Sie glauben an ihre eigene Kontrollmöglichkeiten und akzeptieren ihre Grenzen.
  • Sie können ihre negativen Emotionen kontrollieren und sie angemessen zum Ausdruck bringen (ohne zu „explodieren“).
  • Sie sorgen für sich und achten auf ihre Bedürfnisse.
  • Sie können negative Gefühle annehmen und in positive Emotionen umwandeln.

Hat dein Kind entsprechende Erfahrungen gesammelt und damit die notwendigen Überzeugungen gewonnen, empfindet es stressige Ereignisse und problematische Situationen nicht primär als Belastung, sondern vielmehr als positive Herausforderung.

Um genau diese Einstellungen als Basis einer hohen Resilienz zu fördern, sollten wir als Eltern bei der Erziehung vor allem auf die Entwicklung folgender Kompetenzen Wert legen:

  • Problemlösefähigkeiten und Konfliktlösestrategien
  • Eigenaktivität und persönliche Verantwortungsübernahme
  • Selbstwirksamkeit und realistische Kontrollüberzeugungen
  • positive Selbsteinschätzung des Kindes
  • hohe Selbstregulationsfähigkeiten
  • Empathie und soziale Perspektivenübernahme
  • angemessene Strategien zur Stressbewältigung

Folgende Fragen können dir dabei helfen, deinen Erziehungsstil in Bezug auf das Thema Resilienz zu reflektieren und neue Möglichkeiten zu ergründen:

  • Bin ich ein positives Vorbild?
  • In welchem sozialen Umfeld bewege ich mich?
  • Wie gehe ich mit meinen eigenen Gefühlen um?
  • Welche Konfliktlösestrategien nutze ich?
  • Ist mein Erziehungsstil von gegenseitiger Wertschätzung geprägt?
  • Kommuniziere ich offen, zugewandt und positiv mit meinem Kind?
  • Welche Werte leben wir innerhalb der Familie?
  • Wie erziehe ich – lobe und ermutige ich mein Kind ausreichend?

Resilienz im Alltag – so profitieren unsere Kinder

Für unser Familienleben stellt das Wissen um resilienzunterstützende Faktoren eine große Chance dar! Wir können unsere Kinder trotz aller Anstrengungen nicht vor negativen Erfahrungen beschützen – aber wir können ihnen möglichst viel Kraft und die nötigen Ressourcen mitgeben, um schwierige Situationen erfolgreich zu meistern und sie für das ganze Leben zu stärken.