Werte – Unsere Wegweiser im Leben

Welche Werte bestimmen mein Leben? Und welche Werte sollte ich meinem Kind mit auf den Weg geben?

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Diskussion um Werte und Ziele eines menschlichen Lebens schon immer eine besondere Rolle gespielt. Welche Werte dabei im Vordergrund standen, hat sich nicht nur über die Jahre hinweg deutlich gewandelt, sondern ist gerade im Zuge der modernen Entwicklung unserer Gesellschaft zu einer zentralen Frage geworden. Als Individuen können wir selbst entscheiden, woran wir glauben und für was wir eintreten – und genau das auch an unsere Kinder weitergeben. In der Auseinandersetzung mit Werten, die uns persönlich wichtig sind, sehe ich daher eine besondere Chance hin zu einem erfüllten Leben.

Umso erstaunlicher sind für mich vor diesem Hintergrund meine Erfahrungen im Berufsalltag und natürlich im Kontakt mit anderen Familien. Ich konnte feststellen, dass Werte vielfach keinen hohen Stellenwert mehr haben und innerhalb der Familien keine Klarheit über gemeinsame Werte als Grundlage des Zusammenlebens herrscht. Im Gegenteil: Oft findet gar kein Austausch über das Thema statt und viele Erwachsene sind sich ihrer eigenen Werte offenbar nicht bewusst. Dass auch unsere Kinder in dieser Umgebung keine tragfähigen Wertvorstellungen aufbauen können, liegt auf der Hand.

Die Bedeutung von Werten für die Entwicklung unserer Kinder

Wie wichtig Werte für die kindliche Entwicklung sind, haben indes Forscher mehrfach untersucht. Neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sind Kinder glücklicher und leben langfristig zufriedener, wenn sie in einer Familie mit fester Wertorientierung groß werden. Diese Kinder bewältigen Probleme und Misserfolge leichter und haben eine positivere Einstellung zum Leben.

Betrachten wir nun unsere heutige Gesellschaft, werden die Ursachen für diese positiven Effekte schnell deutlich. Die meisten von uns sind heutzutage kaum mehr an Traditionen gebunden. Eine entscheidende, in früheren Zeiten Halt und Orientierung gebende Instanz, die unseren Vorfahren half, Entscheidungen zu treffen, fällt damit weg.

Umso wichtiger ist es meiner Ansicht nach, Kindern wichtige Werte (frei von jeglicher Religiosität) vorzuleben. Mit einer bewussten Werteerziehung helfen wir unseren Kindern, sich in der Welt zurechtzufinden und gute Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam getragene und gelebte Werte sind die Grundlage für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft.

Wie wir Werte vermitteln können

Wir als Eltern haben dabei eine entscheidende Vorbild-Funktion und legen den Grundstein für das Wertebewusstsein unserer Kinder. Da Kinder durch Nachahmung und Wiederholung lernen, können wir ihnen richtiges Verhalten und die für uns wichtigen Werte im Grunde ganz einfach weitergeben: Wir sollten sie ihnen nur Tag für Tag vorleben und immer wieder deutlich machen, was uns wichtig ist. So können unsere Kinder Vertrauen in sich selbst und ihre Umwelt aufbauen. Ein in der Kindheit aufgebautes Wertesystem bildet das Fundament für das spätere Weltbild eines Menschen.

Behalte die Individualität deiner Kinder im Blick

Doch Achtung: Bei aller Bedeutung unserer Werte und Regeln für die erfolgreiche Kindererziehung darfst du gleichzeitig auch die individuelle Entfaltung deiner Kinder nicht vernachlässigen. Jedem Kind sollte es gestattet sein, auf Grundlage seiner familiären und außerfamiliären Erfahrungen eigene Wertvorstellungen zu entwickeln. Innerhalb von Kindergruppen bzw. im Freundeskreis stellen Kinder häufig eigene für diese Konstellation verbindliche Regeln auf. Dabei können sie lernen, wie sinnvoll bzw. unsinnig manche Regeln sind und welche Folgen eine Missachtung dieser für sie selbst oder andere Mitglieder der Gruppe haben.

Trittst du mit deinem Kind immer wieder bewusst in den Austausch über seine diesbezüglichen Erfahrungen, erfährst du viel über die für ihn oder sie besonders bedeutsamen Werte.

Der erste Schritt zu bewussten Werteerziehung: Werde dir deiner Wertvorstellungen bewusst

Möchtest du deinen Kinder in Zukunft bewusst Werte vermitteln? Dann liegt der erste Schritt wie so oft in einer Reflexion unserer eigenen Empfindungen und Vorstellungen. Mithilfe der folgenden Fragen kannst du für dich herausfinden, welche Werte dir persönlich wichtig sind und die Werteerziehung bewusst angehen.

  • Was ist mir persönlich, was ist in unserer Familie „von Wert“?
  • Was sind meine eigenen Werte?
  • Welche Werte erwarte ich bei anderen?
  • Wie äußern sich meine Werte in meinem Verhalten?
  • Welche Werte sind überholt und welche dringend notwendig für ein friedliches, menschenfreundliches Zusammenleben?
  • Wie kann ich Werte so weitergeben, dass Kinder sie begreifen?

So kannst du Werte konkret weitergeben

Bist du dir unsicher, wie du deinem Kind im Alltag bestimmte Werte vermitteln kannst? Mit der folgenden Liste möchte ich dir einige Anregungen geben:

  • Hilfsbereitschaft: Mache dein Kind auf Situationen aufmerksam, in denen es selbstlos anderen behilflich sein und die Arbeit anderer übernehmen kann, ohne sich zu verbiegen oder sich ausgenutzt zu fühlen.
  • Verantwortungsbewusstsein: Übertrage deinem Kind eine oder mehrere Aufgaben (z .B. das Füttern von Haustieren, die Müllentsorgung etc.) und kontrolliere die Ausführung. Lobe dein Kind anschlie­ßend und mache ihm deutlich, wie wertvoll seine Arbeit für eure Familie /die Gemeinschaft ist.
  • Selbstdisziplin: Selbstdisziplin ist die Fähigkeit, das umzusetzen, was man sich vorgenommen hat. Unterstütze dein Kind, sich Ziele zu setzen und diese zielstrebig zu verfolgen – auch wenn andere Dinge manchmal verlockender erscheinen oder sich unerwartete Hindernisse auftun.
  • Liebe: Liebe erfahren Kinder, wenn wir uns in der Familie gegenseitig so annehmen und respektieren, wie wir sind. Zeige deinem Kind immer wieder, wie sehr du es liebst – unabhängig davon, wie es sich gerade verhält oder was es leistet.
  • Wahrheit: Unsere Ehrlichkeit ist die Basis für Vertrauen. Genau dieses Vertrauen brauchen unsere Kinder, um gesund in die Welt hineinzuwachsen
  • Freude und Humor: Ermutigen dein Kind, die positiven Seiten des Tages bewusst wahrzunehmen und bringe es so oft es geht zum Lachen. Schärfe seinen Blick für Freude und Fröhlichkeit im Alltag.

Meine und deine Werte – Wertvorstellungen in unterschiedlichen Kulturkreisen

Unsere Werte prägen uns und unser Leben, sie machen uns aus – und gleichzeitig sollten wir uns davor hüten, unsere Normen als universell gültig über alles zu stellen. In unserer pluralen Gesellschaft ist es entscheidend, dass Kinder unterschiedliche Kulturkreise mit jeweils eigenen Werten und Normen kennenlernen und ihr eigenes Wertesystem nicht über andere stellen. Es gibt nicht das eine, allgemein gültige Wertesystem. Die Wahrheit ist hier ein Plural. Wichtig ist im Gegenteil eine Dialogkultur, in der auf der einen Seite Unterschiede offen angesprochen werden und andererseits Gemeinsamkeiten zur Sprache kommen. Wenn du deinen Kindern das vermittelst, gibst du ihn einen weiteren Wert mit auf den Weg, der in unserer Gesellschaft von unschätzbarer Bedeutung ist: Toleranz.

Ich wünsche dir viel Freude bei der Beschäftigung mit den Werten, die dir und deiner Familie wichtig sind!

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